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Artikel aus der Zeitschrift "Markt", 1986

Hufschmiede
Amerikanische Hersteller stehen in dem Ruf, auch einmal fünfe gerade sein zu lassen. Auch Ford macht da bei den Produktionstoleranzen keine Ausnahme. Viele Schwachpunkte rühren gerade von diesen großen Schwankungen bei der Produktion her, was bei der Restauration - wenn sie pedantisch vorgenommen wird - bei Blecharbeiten oft zu Passungsproblemen führen kann.

Obwohl Ford für seine Mustang-Modelle der ersten Serie hochwertige Materialien wie z.B. verzinkte Bleche für besonders korrosionsgefährdete Stellen der Karosserie benutzte, ist diese nicht ohne Pferdefüße. Fangen Sie deshalb bei der Zustandsdiagnose von hinten an. Ihr Augenmerk sollte vor allem den hinteren Kotflügeln gelten, und zwar sowohl dem Innenteil als auch der äußeren Karosseriehaut.
Mustang Schwachstellen

Der Bereich vom hinteren Radlaufabschnitt bis zum Heckblech gilt nämlich bei Mustangs als besonders anfällig. Dort, wo vom Kotflügelinnenteil und Radlauf die Bördel übereinanderliegen und punktverschweißt sind, dringt - trotz aller Abdichtversuche - im Laufe der Zeit Feuchtigkeit zwischen die beiden aufeinanderliegenden Bleche, die sich nun von innen auseinanderdrücken (Rost entwickelt nämlich ein mehrfaches an Volumen als sein früheres Pendant in Metall). Fühlt man nun mit der Hand den Radlauf ab und dieser zeigt ,;Aufquellungen'', so muß er mit Sicherheit erneuert werden, was eine arbeitsaufwendige und teure Angelegenheit ist.

Bevor Sie die Kofferraumhaube öffnen, werfen Sie einen Blick auf die Dichtung der Heckscheibe. Ihr Zustand wird Sie auf das vorbereiten, was Sie im Gepäckabteil erwartet. Die große Heckscheibe neigt zum Undichtwerden, weshalb der Kofferraumboden durchrostet und Sie im Extremfall vor der Ablagemulde und dem Ausschnittrand für den Tank nur noch Brösel vorfinden. Im Zweifelsfall sollte man den Waschanlagentest machen.

Türschweller sind beim Mustang kein Problem, da sie aus verzinktem Blech gearbeitet sind. Tückisch ist hier allein das Cabrio, bei dem das innere Stehblech aus Schwarzblech ohne schützenden Zinküberzug gefertigt ,wurde. Hier nagt der Rost von außen unsichtbar. Als Indikator dient lediglich die untere punktverschweißte Bördelkante. Erfreulich ist auch das Thema Türen, denn Probleme treten hier nur auf, wenn die Wasserablauflöcher - aus welchen Gründen auch immer - verstopft sind. Bei reinen Sommerfahrzeugen ist auch das Bodenbleche kein Thema, nehmen Sie aber vorsichtshalber die Bodenmatten heraus, um darunter nach dem rechten zu sehen. Was Ihnen der Verkäufer erzählt, mag zwar für ihn seine Richtigkeit haben, aber ob das für. alle anderen Vorbesitzer auch gilt?

Womit wir eigentlich schon beim dunkelsten Kapitel der meisten Fahrzeuge sind:
der häufige Besitzerwechsel. Und fast alle ritten gnadenlos ihren Mustang, denn leider wurden die galoppierenden Pferde lange Zeit nur gering geschätzt. Ein Blick in den Kraftfahrzeugbrief zur rechten Zeit, erspart viel Ärger und Unannehmlichkeit.

Öffnen Sie zum Abschluß Ihrer Inspektionsrunde noch die Motorhaube. Sehen Sie sich zunächst den Batteriekasten an, der in den meisten Fällen von Säure weggefressen ist (defekte Lichtmaschinenregler lassen die Batterie überkochen).

Ganz genau sollten Sie auch die vorderen Rahmenträger nach Korrosionsschäden untersuchen. Vom Federdom bis zur Spritzwand nämlich bestehen diese aus doppeltem Blech, das lediglich punktverschweißt ist. Der Volksmund behauptet zwar, doppelt genäht hält besser, bei Autokarosserien trifft das aber leider nicht zu - im Gegenteil. Gerade der winzige, z.T. nur Bruchteile eines Millimeters breite Spalt zwischen den beiden Blechen zieht Feuchtigkeit wie magisch an (Kapillarwirkung), Untersuchen Sie deshalb die Rahmenträger in diesem Bereich nicht nur von der Motorraumseite, sondern auch von außen, von der Kotflügelseite her.

Dabei können Sie gleich innerhalb der Kotflügel nach dem rechten sehen. Die verschraubten Mustang-Kotflügel sind nämlich nach hinten zur Tür hin offen. Um von den Vorderrädern hochgeschleuderten Schmutz und Regenwasser abzuhalten, sind in die Kotflügel Spritzschutzbleche eingeschraubt, die - von einem Gumrniprofil eingefaßt - auf Kotflügel und Rahmenträger aufliegen. Leider bleibt hier auch Straßenschmutz hängen, der Feuchtigkeit bindet, wodurch sich dem Rost Tür und Tor öffnet. Erfahrene Mustang-Fahrer haben das Spritzschutzblech aus rostfreiem Edelstahl nachgefertigt

Begutachten Sie nun noch die Partie um die Lampen und hinter der vorderen Stoßstange. Ist auch hier nichts Ernsthaftes zu bemängeln, können Sie das Kapitel Karosserie nach einem abschließenden Blick auf die Hauben und Türscharniere, die wegen den großen Massen der beweglichen Teile hochbelastet sind, abhaken.

Verzögernde Angelegenheit
Den größten Schwachpunkt aller Sechszylinder-Modelle stellt die Trommelbremsanlage rundum dar. Diese reagiert nämlich allergisch auf Standzeiten - und sei es auch nur über Winter. Zum einen neigen die Radbremszylinder zum Undichtwerden und Festgehen und zum anderen rosten die Einstellexzenter fest, wodurch es mit der Selbstnachstellung nicht mehr weit her ist.

Die Achtzy!inder-Modelle besaßen meist vordere Scheibenbremsen, bei der die Bremszangen als Vierkolbensattel ausgebildet sind. Die beiden untersten Bremskolben haben eine überdurchschnittlich hohe Neigung zum Festrosten, da aufgrund unzureichender Dichtungsmanschetten sehr leicht Spritzwasser in die Bohrung eindringen kann.

Gasoline Guzzler?
Allzuleicht geraten amerikanische Fahrzeuge in den Verdacht, benzinsaufende Monster zu sein. Auf den Mustang trifft das kaum zu, höchstens, wenn die sehr robusten Stoßstangenmotoren irgendeinen Fehler haben. Meist nimmt das Übel von der Steuerkette her seinen Ausgang. Durch veränderte Steuerzeiten treten Folgeschäden auf. Aber nichtsdestotrotz kann eine Laufleistung von mindestens 150.000 km zugrunde gelegt werden. Dabei können Betriebsstörungen an Benzinpumpe, Öldruckschalter und Vergaser auftreten. Problematisch ist vor allem die Ansaugbrücke, da der Vergaserflansch der Registervergaser zum Undichtwerden neigt, wodurch Nebenluft angesaugt wird, Zudem neigt das am Vergaser sitzende Benzinfilter - vor allem bei Autobahnfahrten - gern zum Verstopfen. Autobahnfahrten können zusätzlich vor allem für die V8-Maschinen Probleme aufwerfen, denn der Ölinhalt ist mit 4,75 1 viel zu klein. Ein (nicht serienmäßiger> Ölkühler ist eigentlich ein Muß.

Thermische Probleme treten oft auch bei der Kühlung auf, einfach deshalb, weil beim alle 50 bis 60.000 km fälligen Wasserpumpenwechsel der Lüfterradschutz, der gleichzeitig als Luftleitblech dient, aus Unwissenheit nicht mehr eingebaut wurde. Unter Temperaturproblemen hat auch die auf dem Motorblock montierte Zündspule zu leiden. Für weitere Zündprobleme sorgt der Verteiler, dessen Unterdruckverstellmechanismus und Antriebswelle verschleißen. Einem defekten Zündverteiler kommt man nur mit einem Schließwinkelmeßgerät auf die Spur, denn beim Gasgeben verändert sich der Schließwinkel um 3 bis 4 Grad.

An weiteren Schwachpunkten sind bei den Mustang-Motoren, die übrigens mit Ausnahme der High-Performance-Modelle alle hydraulischen Ventilspielausgleich haben, eigentlich nur Undichtigkeiten an der Benzinpumpe (Dichtung zum Motorblock) sowie der leistungsschwache Anlasser zu nennen.

Kraftübertragung
Als robust müssen die Getriebe gelten, bei denen nur die in England gefertigte 4-Gang-Version der Sechszylinder-Modelle Probleme aufgibt. Alle anderen, einschließlich der Borg-Warner-Automatik, geben außer gelegentlichen Undichtigkeiten keinen Grund zur Klage.

Das besorgt dann schon eher der Rest der Kraftübertragung. Bei der Kardanwelle neigen vor allem die hinteren Kreuzgelenke wegen Unwucht im Strang zum Ausschlagen. Das mag mit ein Grund sein, weshalb das Differential meist bei 80.000 km beginnt, Geräusche zu machen. Etwa gleichzeitig gibt üblicherweise auch das rechte Radlager der Hinterachse seinen Geist auf.

Innereien
Wenig Probleme dürfte das solide Fahrwerk machen. Zu überprüfen sind hier lediglich auf üblichen Verschleiß: UmlenkhebeI, Dreieckslenker, Traggelenke, Spurstangen und Stoßdämpfer. Öfter schlagen hingegen die Führungsbuchsen der Tragarme aus, ein unüberhörbares Quietschen beim Aufschaukeln der Karosserie im Stand macht darauf aufmerksam.

Zum Abschluß sollte Ihnen die Innenausstattung noch einen Blick Wert sein; vor allem die Fahrertürverkleidung, der Teppichboden (unter dem Sie hoffentlich kein durchrostetes Bodenblech fanden) und das Armaturenbrettpolster.

Abweichungen vom vielbeschworenen Originalzustand werden meist aus zwei Gründen vorgenommen: Zum einen wird der originale, kontaktgesteuerte Lichtmaschinenregler, der oft die Batterie überkochen läßt, gerne gegen einen elektronischen ausgetauscht, und zum anderen trägt die Ersatzteilsituation nicht unbedingt zu einer l00%igen Originalität bei.
(Anmerkung: Fast alle Teile sind in USA noch erhältlich, insbesonders für 65-68, für 69-73 sieht es bei den Blechteilen etwas schwieriger aus)

Beim Pferdehändler
Bleibt am Ende die Frage des Preises, die sich wegen der relativen Seltenheit der Fahrzeuge in der Bundesrepublik als schwieriges Kapitel zeigt.
Am häufigsten findet man noch das Hardtop-ModelI, das als Teileträger ab 1000,-DM und im Spitzenzustand bis 25.000,-DM kosten kann. Gesucht sind die Cabrios, die kaum unter 10.000,- DM, selbst in schlechtern Zustand, zu bekommen sind. Aber was ein echter Asphalt-Cowboy --ist, der muß für seinen Mustang auch verhandeln können.

(Oldtimer-Zeitschrift "Markt" 1986, letzter und vorletzter Absatz aktualisiert)

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